Länderübergreifende Zusammenarbeit beim Thema Wolf muss vor allem Herdenschutzmaßnahmen umfassen

Aufruf der Weidetierhalter-Verbände, der Verbände des Ökologischen Landbaus sowie weiterer
Interessenverbände der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz
und Saarland, gemeinsam mit der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. (GzSdW) und dem
Verein für Arbeitende Herdenschutzhunde in Deutschland e.V. (VAH)

17.03.2018

Der Baden-Württembergische Umweltminister Franz Untersteller hat Anfang März die „Kooperationsvereinbarung
zwischen den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-
Pfalz und Saarland zum Herdenschutz und Wolfsmanagement“ vorgestellt, die zum
01.04.2018 in Kraft treten soll.

Begleittext Aufruf Weidetierhalter

Aufruf_Länderübergreifende Zusammenarbeit beim Thema Wolf muss vor allem Herdenschutzmaßnahmen umfassen_2018-03-17


Grundsätzlich ist die länderübergreifende Zusammenarbeit beim Thema Wolf sehr zu begrüßen!
Allerdings werden in dem Papier viele Aufgaben genannt, die bereits durch die „Dokumentations-
und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ (https://dbb-wolf.de/) abgedeckt
werden und deren Dopplung durch die zu gründende „Steuerungsgruppe Wolf“ sowie
die zu gründenden „Managementgruppen Wolf“ der beteiligten Länder wohl im Wesentlichen
unnötig, ja kontraproduktiv wäre.
Entgegen dem Titel der Vereinbarung „… zum Herdenschutz und Wolfsmanagement“ beschränken
sich die konkreten Formulierungen des Papiers fast ausschließlich auf das Wolfsmanagement,
das zudem im Wesentlichen auf „Fang“ und „Entnahme“ von Wölfen, die „Menschen
und Nutztiere gefährden“, begrenzt wird. Gerade so, als ob es hier (Menschen) Probleme
gäbe bzw. als ob die Entnahme von Wölfen eine Problemlösung (Nutztiere) wäre. Tatsache
ist, in mittlerweile 20 Jahren Wolfspräsenz in Deutschland hat es keinen einzigen Fall gegeben,
in dem ein Wolf einem Menschen aggressiv begegnet wäre. Die „Gefährdung von Menschen“
ist schlicht nicht existent – auch wenn sie von gewissen politischen und Lobbyistenkreisen
immer und immer wieder herbeigeredet wird, die grundsätzlich gegen den Wolf eingestellt
sind und offensichtlich nach Wegen suchen, seine Präsenz in der Landschaft möglichst
wieder rückgängig zu machen.
Eine „Gefährdung von Nutztieren“ ist allerdings real gegeben, vor allem in Gebieten, in denen
sich Wölfe neu ansiedeln und aufhalten. Die Weidetierhalter sind die maßgebliche Bevölkerungsgruppe,
die durch die Rückkehr des Wolfes belastet wird. Nur durch konsequent und
flächendeckend angewandte, fachlich gut durchgeführte und für die Tierhalter praktikable
Herdenschutzmaßnahmen kann das Miteinander von Wolf, Nutztieren und Menschen gelingen!
Anstatt sich umfangreich Gedanken über „Fang- und Entnahmetrupps“ zu machen, wären
konkrete Maßnahmen zu einer umfassenden und ländereinheitlichen Förderung von Herdenschutzmaßnahmen
sowie zur Einrichtung eines länderübergreifenden Herdenschutz-Kompetenzzentrums
vonnöten. Leider sucht man in dem Papier Konkretes hierzu vergeblich. Die
Entnahme von einzelnen Wölfen kann unter Umständen geboten sein – nachdem der Herdenschutz
flächendeckend umgesetzt wurde! Sie ersetzt aber keine Herdenschutzmaßnahmen
und ist darüber hinaus in den einzelnen Ländern bereits ausreichend geregelt.
Die unterzeichneten Verbände fordern daher von den Landesregierungen von Baden-Württemberg,
Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die getroffene Kooperationsvereinbarung
dahingehend abzuändern, dass sie sich den wahren und nicht den von bestimmten Kreisen
imaginierten Problemen zuwendet:
– die umgehende Einführung eines ländereinheitlichen Förderprogramms von Herdenschutzmaßnahmen
für Weidetierhalter, unabhängig von Betriebsform und –größe, das
eine 100 %ige Kostenerstattung inkl. der Anschaffungskosten für Zaun- und anderes
Material, der Unterhaltskosten für Herdenschutzhunde sowie der Kosten für die zusätzliche
Arbeitsbelastung durch Herdenschutzmaßnahmen umfasst
sowie
– die umgehende Einrichtung eines länderübergreifenden Herdenschutz-Kompetenzzentrums,
in dessen Rahmen geeignete Herdenschutzmaßnahmen getestet und weiterentwickelt
werden sowie Weidetierhalter aus- und weitergebildet und bei der Umsetzung
von Herdenschutzmaßnahmen auf dem eigenen Betrieb intensiv beraten und
unterstützt werden; dabei kann auf zahlreiche Erfahrungen anderer Bundesländer zurück
gegriffen werden
Dipl.-Biol. Dr. agr. Peter Herold Dr. med. vet. Peter Blanché Holger Benning
Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. Verein für
Arbeitende Herdenschutzhunde
in Deutschland e.V.
Kontakt:
Dr. Peter Herold
Bioland-Betrieb Kuhnweiler Hof
Kuhnweiler 3
71577 Großerlach
E-Mail: herold-peter@arcor.de